Hochzeitsfotografie – Tipps für Profis

Hochzeitsfotografie – Tipps für Profis

Bei Hochzeitsfotografie besteht meist vor allem eine Gefahr: Dass die Fotos zu kitschig werden. Schließlich ist eine Hochzeit immer ein klein wenig kitschig und es lässt sich kaum vermeiden, dass auch die Bilder
einen Hauch von Kitsch widerspiegeln – dennoch sollte dieser auf ein Minimalmaß reduziert werden. Das wertet die Fotos auf und macht sie individueller, hebt sie von „herkömmlicher“ Hochzeitsfotografie ab. Davon wiederum
profitieren das Brautpaar (wer möchte keine besonderen Hochzeitsfotos?) und gleichermaßen der Fotograf (wer möchte nicht einen Profi buchen, der den großen Tag in einem extravaganten Licht präsentiert und ihn dafür auch
angemessen bezahlen?). Einige Anregungen, wie die Fotos auf einer Hochzeit noch das gewisse Etwas bekommen, das anderen Hochzeitsbildern vielleicht fehlt, haben wir im Folgenden zusammengefasst.

Die Rolle der Braut

Geschlechterklischees beiseite, Ehrlichkeit auf den Tisch: Die Braut spielt bei der Hochzeit die wichtigste Rolle! Natürlich heiraten immer zwei Menschen und der Bräutigam ist im Grunde genauso wichtig,
wie die Braut. Dennoch steht diese bei den meisten Hochzeitsgesellschaften einfach im Mittelpunkt. Das liegt daran, dass sie in der Regel aufwendiger gekleidet ist, als der Bräutigam, sich eventuell über Stunden hinweg eine
besondere Frisur hat machen lassen und dass sie schönen Schmuck trägt. Außerdem bedeutet Frauen dieser Tag in einigen Fällen einfach mehr als Männern – das kann wohl so stehengelassen werden.
Aus diesen Grundprämissen ergibt sich eins: Der Profi sollte vor allem der Braut folgen. Alles, was um sie herum geschieht, muss, bzw. sollte festgehalten werden. Wo die Braut, da auch die Hochzeitsaction!
Die große Schwierigkeit dabei ist, dass einerseits der Fotograf immer noch im Hintergrund agieren sollte, da er vielleicht gar nicht zur offiziellen Hochzeitsgesellschaft gehört, und dass andererseits die wichtigsten Momente,
wie das Anstecken des Rings, der Kuss, der Anschnitt der Torte, der erste Tanz usw. auf keinen Fall verpasst werden dürfen. Es gibt hier immer nur eine einzige Chance! Auch Profis haben es mit diesen Aufgaben nicht immer leicht.

Die Braut in Szene setzen

fotolia.de ©Africa Studio (#148406822)

Das schönste Foto der Braut gelingt nur mit dem richtigen Licht. Die optimale Stelle dafür zeichnet sich vor allem durch natürliches Licht aus, das bestenfalls durch ein Fenster scheint. Nordfenster beispielsweise,
durch welche das Licht eher indirekt in Räume scheint, sind am besten. Die Braut wird dann optimaler Weise in einem Abstand von etwa 1,5 bis 2,5 Metern Entfernung platziert, damit das Licht gleichmäßig und weich über Haut und
Kleid fällt.

Solche Stellen lassen sich in der Regel auch nutzen, um die Fotos mit den Verwandten (die berühmten Paar- und Gruppenbilder) aufzunehmen, die am besten so früh wie möglich zusammengesucht werden, damit sich die
ganze Prozedur nicht in die Länge zieht. Dann wird zuerst die Braut mit Bräutigam, Trauzeugen, Eltern etc. fotografiert und anschließend die Verwandtschaft. So lässt sich vermeiden, dass die restliche Gesellschaft zu lange
auf die Hauptpersonen des Tages wartet.
Gerade vor der Trauung sind Aufnahmen, die hier entstehen – entweder alleine, oder eben mit Bräutigam und Verwandten – meist besonders schön. Was die Posen der Braut betrifft: Die von
der Lichtquelle abgewandte Schulter sollte etwas tiefer liegen. Somit wird zwischen den Schultern eine ästhetische Diagonale erzeugt. Die Füße sollte die Braut in V-Form ausrichten.
Im Arrangement der Braut mit anderen Personen,
sollte vor allem darauf geachtet werden, dass die Köpfe aller Fotografierten eng beieinander liegen. Das vermittelt auf dem Foto eine gewisse Vertrautheit, was sich gerade dann auszahlt, wenn die Fotos nicht nur für das Brautpaar
gemacht werden. Vor allem wenn man nachträglich noch mit kleinen Geschenken, wie einer Karte oder einem Fotobuch, in welchem die schönsten Fotos zum beispielsweise in Kapiteln zur einer kleinen Geschichte zusammengeführt werden können, an den besonderen Tag erinnern möchte. Gerade wenn die Gäste sich hinterher selbst auf den dafür verwendeten Fotos wiederfinden, ist die Freude meist groß und der Tag wird als schönes Ereignis in Erinnerung behalten.

Welche Details sollten fotografiert werden?

Einige der wichtigsten Momente des typischen Hochzeitsablaufes, die vor allem ein Profifotograf auf einer Hochzeit nicht verpassen sollte, haben wir bereits genannt. Doch welche weiteren wichtigen Momente gibt es und welche
kleinen Details und Einzelheiten müssen außerdem festgehalten werden? Nichts ist unangenehmer, als nach der Feier bei der Besprechung und Durchsicht der Fotos etwa die Frage zu hören „Und was ist mit den Einladungen? Haben wir
davon keine Bilder?“.
Folgende Liste versammelt die nach unserer Meinung wichtigsten Momente und Details:

  • Standesbeamte in Aktion bei der standesamtlichen Trauung
  • Braut, Bräutigam und Trauzeugen unterschreiben die Dokumente
  • Gratulation des Standesbeamten und das Überreichen des Familienstammbuchs
  • Spalier der Freunde oder Bekannten
  • Make-Up und Hairstyling der Braut
  • Ankleiden der Braut, Hilfe der Mutter, Schwester, Freundin oder Trauzeugin
  • Bräutigam bereitet sich vor und kleidet sich an
  • Eintreffen vor der Kirche
  • Brautpaar betritt die Kirche oder Braut wird in die Kirche geleitet
  • Der Pfarrer in Aktion
  • Rede der Eltern und Gäste
  • Die angedeuteten Hochzeitseinladungen
  • Die Notenblätter der Trauung
  • Tischkärtchen auf der Feier
  • Das Gästebuch (mit ausgewählten Einträgen)
  • Die Schuhe der Braut
  • Der Brautschmuck
  • Das Hochzeitskleid auf dem Kleiderbügel
  • Die Sektgläser der Getrauten
  • Die Eheringe
  • Die Flugtickets für die Flitterwochen
  • Den Blumenschmuck des Bräutigams
  • Den Brautstrauß
  • Details auf dem Brautkleid

Weitere Ratschläge für den Fotografen

fotolia.de © AS Photo Project (#212327375)

Egal wieviel Erfahrungen man als Fotograf schon gesammelt hat – wer noch nie auf Hochzeiten fotografiert hat, weiß nicht, wieviel Stress und Anspannung einen erwarten. Doch die Angst soll nicht weiter geschürt werden;
stattdessen sollen einige weitere spezifischere Ratschläge helfen, möglichst gut vorbereitet in den besonderen Tag zu starten.
Der erste Ratschlag lautet: Mehr Speicherkarten einpacken, als man überhaupt füllen kann. Denn auf einer Hochzeit kann es gut und gerne vorkommen, dass – an langen Tagen – fast tausend Fotos geschossen werden. Das mag
utopisch, oder besser gesagt dystopisch klingen –, die vielen verschiedenen Situationen, die ganzen Zeremonien und die vielen Anwesenden wollen aber alle in Szene gesetzt werden. Und das kostet nun einmal Filmmaterial. Wer die
Speicherkarten immer in der Jackentasche hat, ist flexibel und vermeidet peinliche Momente. < /br>
So seltsam es auch klingen mag, sollte man auf Hochzeiten selbst an sonnigen Tagen mit dem Aufhellblitz arbeiten oder zumindest experimentieren. Denn damit lässt sich der oft eher harte Schatten in Gesichtern minimieren und zudem sehen die Personen unter diesen Bedingungen natürlicher aus. Darüber hinaus entstehen dabei in den
Augen meist hübsche Spiegellichter. Die Ergebnisse sollten am besten direkt nach jeder Aufnahme auf dem Monitor kontrolliert werden, damit festgestellt werden kann, ob das Licht gut ausbalanciert ist. Übrigens ist der Blitz
bestenfalls nicht direkt auf die Personen auszurichten, sondern etwas nach links oder rechts zu drehen und eventuell auf 45° zu neigen. Wer sich nicht mehr als etwa 2,5 Meter von den Fotografierten entfernt befindet, profitiert
so trotzdem von der Wirkung des Blitzes.
Unser letzter Tipp: Damit bei der Hochzeit auch wirklich kein wichtiges Motiv vergessen wird, sollte selbst der professionellste und routinierteste Fotograf sich eine Motivliste anlegen. Diese kann beispielsweise die im vorigen
Abschnitt aufgeführten Momente und Details beinhalten, es kann sich aber auch vorab mit dem Brautpaar zusammengesetzt werden, um einige konkrete Dinge gemeinsam aufzulisten. Während der Feier schließlich wird nach und nach
abgehakt, damit der Tag für alle einen erfolgreichen Ausgang hat.

Beitragshauptbild: fotolia.de © stakhov (#158974018)

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